Momentaufnahme

by Christian Freimuth

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1.
SONNENUNTERGANG Ich verliere dich je mehr ich dich privatisieren muss und dennoch freu ich mich königlich wie diebisch über dein abspannhaftes Ziehen Denn wenn du gehst, dann gehst du in den Sonnenuntergang Falls du mich nochmal bei der Hand nähmst, ich fackelte nicht lang auch wenn ich gleich viel lieber hier blieb, um dir hinterher zu sehen und mich nach einer kleinen Weile lächelnd umzudrehen Es ist nicht so, dass ich dich existenziell, auch nur zum Überleben bräuchte Du bist kein Speichel, keine Liebe, keine Luft nur ein Konstrukt, nur ein Konstrukt Und wenn du gehst, dann gehst du in den Sonnenuntergang Falls du mich nochmal bei der Hand nähmst, ich fackelte nicht lang auch wenn ich gleich viel lieber hier blieb, um dir hinterher zu sehen und mich nach einer kleinen Weile lächelnd umzudrehen
2.
NICHTS ZU SAGEN Manchmal geht ein Donnerstag einfach so zuende, ohne Höhe-, Tief-, und Angel-, Mittel-, Schluss-, und Wende- Punkte auf dem Zettel des Mehrfachauswahltests – für die Spannung sehr beschissen, für die Prüfung gar nicht schlecht Und dann trifft man sich vor dem Kühlregal und weiß nicht, was man denn sagen soll zu sich Und dann trifft man sich vor dem Kühlregal und weiß nicht, was man denn sagen soll Manchmal schafft man eine Nacht ohne Zwischenfälle, ohne Kleiderwechselalptraum und ohne Yoghurette ohne Bässe in den Wänden, ohne Mücken in der Luft, ohne Wälzen in den Laken, ohne frühe Halbschlaflust Und dann trifft man sich vor dem Duschvorhang und weiß nicht, was man denn sagen soll zu sich Und dann trifft man sich vor dem Duschvorhang und weiß nicht, was man denn sagen soll und hat sich nichts zu sagen, nichts zu sagen, nichts zu sagen, nichts zu sagen
3.
STOLZ AUF DICH Baby, ich bin so stolz auf dich, dass du dich weder Heiligabend noch Silvester noch Neujahr bei mir gemeldet hast Baby, ich bin so stolz auf dich, dass du sogar bei meinem letzten Geburtstag so tapfer durchgehalten hast Denn ich wollte nichts wissen, ich wollte nichts hören Ich wollte, dass es dir gut geht doch ich wusste, doch ihn zu kennen würde mich stören Baby, vielleicht ist der Stolz auf dich auch gänzlich unberechtigt, weil du mich verpackt und Ewigkeiten schon vergessen hast Baby, vielleicht gebührt der Stolz auf dich auch vielmehr demjenigen, dem du meinen Ersatz und das Vergessen zu verdanken hast Doch ich wollte nichts wissen, ich wollte nichts hören Ich wollte, dass es Dir gut geht doch ich wusste, ihn zu kennen würde mich stören Doch jetzt, wo ich alles weiß, geht’s mir besser, viel besser als vorher, jetzt wo ich endlich alles weiß Baby, ich bin so stolz auf dich Baby, ich bin so stolz
4.
ZIEMLICH VIEL Wir trafen uns über dem Strand, mitten in der Stadt, ich hatte nur gesagt, dass ich Neuigkeiten hab, ich meinte: „Werden wir etwas bleiben?“, und du: „Ich bin darin nicht gut“. Und dann sagtest du noch: „Geh trotzdem. Ich werd’ sauer, wenn du’s nicht tust.“ Wenn auch nicht alles, so war es doch scheiße nochmal ziemlich viel. Wenn auch nicht alles, bisher stand nicht so viel auf dem Spiel. Und sollten wir uns nicht wieder, dann werden wir halt mal weitersehen, das tut ja doch keinen Abbruch, es war was es ist und es wird geschehen Jeder Straßenzug eine Erinnerung, die mir ins Gedächtnis stiert, Hier sagte mir eine, sie liebt mich, und da, dass trotzdem nichts aus uns wird Die gelben Zettel lass ich sämtlich zurück, die Haftnotizen in der Welt, damit du weißt, dass ich ausnahmslos lüge, wenn ich so tu, als ob mich hier nichts mehr hält Wenn auch nicht alles, so war es doch scheiße nochmal ziemlich viel. Wenn auch nicht alles, bisher stand nicht so viel auf dem Spiel. Und sollten wir uns nicht wieder, dann werden wir halt mal weitersehen, das tut ja doch keinen Abbruch, es war was es ist und es wird geschehen
5.
EIN KLEINES STÜCKCHEN Ich kann dich nicht retten zufrieden nicht machen beim Kopieren lernt man wenig, außer Kopieren Ich kann und ich will auch nicht mehr für dich als für mich tun Teil der Lektion hier ist: Hilflosigkeit akzeptieren Doch jetzt halt ich still und geh auf dich ein kleines Stückchen näher zu leg mein Ohr an deine Wange und fass, was ich in dir gesucht an meiner Nase, der hohen Wurzel, und kann dich in mir selber sehen noch ne Sekunde und ich versuch es mir einzugestehen Ich brauche nicht wahnsinnig viel mehr als ich zu haben scheine doch nichts mehr zu wollen ist das begehrteste Ziel Eigentlich kämpfe ich nur noch mehr, oder weniger gegen den Alltag Er würd’ sich trotzdem verkaufen wär’ er ein Spiel Doch jetzt halt ich still und geh auf dich ein kleines Stückchen näher zu leg mein Ohr an deine Wange und fass, was ich in dir gesucht an meiner Nase, der hohen Wurzel, und kann dich in mir selber sehen noch ne Sekunde und ich versuch es mir einzugestehen Jetzt halt ich still
6.
LETZTLICH BLEIBT DORTMUND Aus dem Kinderzimmerfenster sah man einen Friedhof Das hat mir meine Mutter Jahre später erst erzählt Ich erinnere mich an die Küche und an das Bett von meiner Schwester Von der ich viele Jahre später und woanders erst erfuhr, dass noch jemand fehlt Vor dem Balkon hingen Perlen gegen Fliegen Weit darunter sah man andere Kinder stehen Nach dem wöchentlichen Baden gab es Hallo Spencer Und überhaupt gab es auf drei Programmen ganz schön vieles fernzusehen Doch letztlich bleibt Dortmund für immer bloß ein Schulweg für mich Die große Unbekannte, ein Pater Noster, ein Spielkreis Und letztlich bleibt Dortmund für mich nichts als ein Herkunftsgerücht Der fremde Städtename vorne auf meinem Ausweis Bei meinem damals besten Freund gleich umme Ecke war so eine Bude Da gab es Eis und Süßkram und Kampfflugzeuge aus Styropor Doch die hielten niemals lange oder flogen aus den Augen Und Zwei im Sinn war schnell dahin als man mich umzog und er im Neuen sich verlor In alten Spuren klangen lang verlöschte Zeiten Unter meinem als „großen“ fehlbenannten kleinen Zeh Doch Waschbeton ist grau bloß bis ihn jemand anstreicht So überfallen mich bis heute Stadtruinen mit einem heimlich wohlen Weh genau wie ein Schulweg, ein Spielkreis, der Städtename auf meinem Ausweis Letztlich bleibt Dortmund für immer bloß ein Schulweg für mich Die große Unbekannte, ein Pater Noster, ein Spielkreis Und letztlich bleibt Dortmund für mich nichts als ein Herkunftsgerücht Der fremde Städtename vorne auf meinem Ausweis
7.
Nasser Hund 03:32
NASSER HUND Deine Sachen riechen immer wie nicht richtig gelüftet, Gammelig und klamm, wie nasser Hund. Du bist überpflegt, wenn überhaupt bemüht, reizvoll untreu, von langer Hand ungesund (Aber) Guck doch nicht gleich so traurig Ich hab da was im Auge, glaub ich, und ich wein’ ganz bestimmt nicht, oder sollte ich? Sollte ich? Du bist reserviert wie der allerbeste Tisch Im Lieblingslokal dieser Stadt, diesem Kuhkaff, lässt mit zuckenden Schultern mich im Regen stehen, drehst leere Hände zum Himmel bis ich rieche wie Du (Aber) Guck doch nicht gleich so traurig Ich hab da was im Auge, glaub ich, und ich wein’ ganz bestimmt nicht, oder sollte ich? Sollte ich?
8.
EXIL GEHT SCHLECHTER Nicht verunglückt und trotzdem gestrandet, nicht vertrieben und trotzdem verrannt, nicht angestrebt und trotzdem errungen, zwar entdeckt, aber trotzdem verkannt – Und dennoch weiß ich: Exil geht schlechter, zumindest meistens, wenn ich’s nicht grad verfluch Und dennoch weiß ich: Exil geht schlechter, hin und wieder, und wenn ich’s ordentlich versuch Nicht verwandelt und trotzdem entwickelt, nicht aufgegeben und trotzdem versandt, etwas verzerrt und trotzdem nicht im Ansatz verfremdet, Nicht gewünscht, aber trotzdem verlangt Und dennoch weiß ich: Exil geht schlechter, zumindest meistens, wenn ich’s nicht grad verfluch Und dennoch weiß ich: Exil geht schlechter, hin und wieder, und wenn ich’s ordentlich versuch Doch dann fahr ich ans Meer oder sitz an der Trave und führ den Hund in meinem Kindskopf spazieren, lass mich ungestört gehen, weil Geschmack hier speziell ist und lern für dich, mit dem, der ich bin, zu leben Und plötzlich weiß ich: Exil geht schlechter, Nur manchmal ist es halt ein rotes Tuch Und plötzlich weiß ich: Exil geht schlechter, Und ich lass mich ganz gern ein auf den Versuch
9.
Eines Tages 03:44
EINES TAGES Noch immer zieh ich im Winter den alten Parka an, leg ihn im Sommer wieder zusammen. Am Abend entzünde ich Lichter bis ich schlafen kann – das mach ich um Dunklen und freu mich daran Noch immer esse ich gegen Hunger, schlafe gegen Müdigkeit, trinke gegen das Erinnern und lese gegen Unbelesenheit Doch eines Tages werden die Tage einfach nicht mehr existieren, kein Hell und Dunkel, keine Hitze und kein Grund mehr zu erfrieren. Dann bist du ich und ich bin du und du bist sowieso schon alles, was ich noch vermisse, solang ich sie glaub, die Illusion Noch immer betrachte ich manches für richtig und anderes für falsch Dieses für wahrer als jenes, ob als Aufstieg oder Fall. Noch immer halte ich ganz doll fest, was ich Angst hab zu verlieren, schließe Türen gegen meine Ängste, versuch mich auch gesund nicht so zu zieren. Doch eines Tages werden die Tage einfach nicht mehr existieren, kein Hell und Dunkel, keine Hitze und kein Grund mehr zu erfrieren. Dann bist du ich und ich bin du und du bist sowieso schon alles, was ich noch vermisse, solang ich sie glaub, die Illusion Und dann kriegen wir endlich unser schwarzes Hemd, das weiß ist, dann kriegen wir endlich unser schwarzes Hemd, das weiß ist und, hey hey, hey Moe, ich weiß es, ich weiß es Denn eines Tages werden die Tage einfach nicht mehr existieren, kein Hell und Dunkel, keine Hitze und kein Grund mehr zu erfrieren. Dann bist du ich und ich bin du und du bist sowieso schon alles, was ich noch vermisse, solang ich sie glaub, die Illusion
10.
MEHRFACHKLANG Fasern sind selten alleine, Versatzstücke teilweise schön, Einzelnes wird oft verbunden, ein Bein kann alleine schlecht gehen. Ich hab Dich vor ’ner Weile gefunden, kann Dich dafür nur mehrselten sehen. Als wären mir die Augen verbunden, zähl oft und so lang schon bis zehn Und will alle Knoten, an einem Strang, zu einem Mehrfachklang mit Dir zusammenziehen will alle Knoten, an einem Strang, mit Dir zusammenziehen Partikel sind aussageschwächlich, Fragmente sehr leicht zu vermehren, Parzellen trennt manchmal kein Meter, ein Ohr kann nicht Stereo hören. Mit Dir bin ich gerne alleine, verbring unsere Zeit wie ich mag, entfernt von Dir ist Warten immer, Beschäftigung schwer angesagt Und will alle Knoten, an einem Strang, zu einem Mehrfachklang mit Dir zusammenziehen will alle Knoten, an einem Strang, mit Dir zusammenziehen Denn fällt mal was ins Wasser, dann können wir so nicht schwimmen. Wir hab’n zwar nicht weniger zu verlieren, aber noch so viel mehr zu gewinnen, was kein Hug-Suit uns geben und der Skype-Scheiß nicht kann, das war ich, jetzt kommst Du, und irgendwann sind wir als Duo dran Denn Ich will alle Knoten, an einem Strang, zu einem Mehrfachklang mit Dir zusammenziehen, Ich will alle Knoten, an einem Strang, zu einem Mehrfachklang mit Dir zusammenziehen will alle Knoten, an einem Strang, mit Dir zusammenziehen

credits

released January 30, 2007

Text und Musik: Christian Freimuth.
Aufgenommen mit herrschmolke.
5.-7. Januar 2007. 23554, HL.

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Christian Freimuth Germany

Deutschsprachiger Singer-Songwriter-Indiepop mit Einflüssen aus Folk, Americana und der Gitarrenmusik der Neunziger.

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