Richtung Leben

by Christian Freimuth

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1.
FÜR DICH MIT Was du denkst ist wahr oder es wird es gleich im Anschluss an die Schonzeit, was zum Beispiel zeigt, dass der eigenbrödlerische Geist die meiste Zeit des Lebens doch allein bleibt – zumindest dazu neigt – so wie Pech in freier Wildbahn stets in Strähnen vorkommt, die nicht immer gold sind und nur selten glänzen. Doch auch das Glück kommt Gott sei dank niemals allein, nur eben lieber gleich zum Glückskind – wenn auch fast nie in Keksen. Schüttel Deinen Kopf vielleicht erstmal nur noch halb so doll Das raue Wasser wird dann seicht und Ödnis schnell zu Rock’n’roll Für dich mit, ich glaub’ das für dich mit. Was Du fühlst zeigt Dir mit Klarheit, ob Du noch auf Deinem rechten Weg gehst oder daneben stehst. Wenn er verloren scheint sogar die Richtung, wo er liegt, und wohin Du Dich besser umdrehst, egal, ob Du’s verstehst. Denn was flüchtig hier nur eine Ahnung sein kann, ist an seinem Rand leicht pflückbar, und steht in vollen Blüten. Ob Wegbereiter, Stimmungshöhen auch Goldglanz-Luxus in mehr als einem Koffer oder in Plastiktüten Schüttel Deinen Kopf vielleicht erstmal nur noch halb so doll Das raue Wasser wird dann seicht und Ödnis schnell zu Rock’n’roll Für dich mit, ich glaub’ das für dich mit.
2.
In hellen Supermärkten Vor lauter Lustlosigkeit erfolgreich, vor lauter Unartigkeit derart schnell mit einem klugen Spruch dabei, dass ihm keiner zuhört. So fische ich professionell ins Blaue, auf dem scheinbar falschen Einsatzgebiet schieße ich mit Platzpatronen auf die allerschönste Eule, obwohl die mich im hellen Tageslicht gar nicht sieht Vor lauter Zaghaftigkeit betörend. Vor lauter Trägheit so unglaublich früh dass all die anderen noch nicht wieder am vereinbarten Ort sind. So fische ich professionell ins Blaue, auf dem scheinbar falschen Einsatzgebiet schieße ich mit Platzpatronen auf die allerschönste Eule, obwohl die mich im hellen Tageslicht gar nicht sieht Dann kehre ich glücklich wieder um und zurück in mein Scheinweltparadies In dem’s zwar mich nicht mehr und dich nicht Aber vom Wunder bis zum Fertigessen alles in hellen Supermärkten gibt
3.
Alle Zeichen 03:31
Alle Zeichen Wie schön kann man eigentlich sein, frag ich mich wenn ich Dich so ansehe – von verlorenem Posten aus, an Zaunpfählen vorbei. Wie traurig muss ich eigentlich werden, bis ich über Schatten springe, die so zahm wie Küken sind, aber mörderisch mir scheinen. Doch alle Zeichen stehen auf Rebellion gegen den, der ich war. Bleib Du schön, wo Du bist, das ist okay, ich geh dann schonmal weiter. Auf einem Bein wenn’s sein muss, aber zweifelsfrei auf links gedreht. Ich verlang‘ zwar viel, aber bestimmt nicht, dass das jeder hier versteht. Wie weit muss man eigentlich gehen, bevor man vor Erschöpfung einknickt und auf dem Rücken liegend selig in den blauen Himmel blickt, weil man in dem Moment erkennt, wie lang man eigentlich auf fremden Gleisen wankte, die sich jetzt für alle Zeiten wenden. Denn alle Zeichen stehen auf Rebellion gegen den, der ich war. Bleib Du schön, wo Du bist, das ist okay, ich geh dann schonmal weiter. Auf einem Bein wenn’s sein muss, aber zweifelsfrei auf links gedreht. Ich verlang‘ zwar viel, aber bestimmt nicht, dass das jeder hier versteht. Und so ist Hamburg für mich wie ein Wien, aus dem ich kein Zurück gibt, von der feuchten Morgentauwiese nach Hause ins Schutzgebiet. Wegen der blöden Straßenführung, auf der man immer falsch abbiegt, Richtung Elbbrücken hinaus, obwohl es einen nach Norden zieht. Doch alle Zeichen stehen auf Rebellion gegen den, der ich war. Bleib Du schön, wo Du bist, das ist okay, ich geh dann schonmal weiter. Auf einem Bein wenn’s sein muss, aber zweifelsfrei auf links gedreht. Ich verlang‘ zwar viel, aber bestimmt nicht, dass das jeder hier versteht.
4.
Nicht mehr barfuß Ob aus Versehen oder mit Absicht vom Couchtisch gekullert oder mit voller Wucht aus dem Wurfarm geschleudert, damit du endlich mal aufwachst – von alledem, das du wie schlafwandelnd machst - Irgendetwas zerbricht immer auf den Böden unserer Zimmer, doch zum Glück gehen wir nicht mehr barfuß. Ich seh‘s heute noch fallen und wie ich‘s nicht retten konnte. Wie tiefkühlkostschockgefroren und mit dem Puls ausgesetzt wusste ich plötzlich, lieber gestern als hier jetzt hättest du es vorm Aufprall schon in Stücke zerfetzt. Irgendetwas zerbricht immer auf den Böden unserer Zimmer, doch zum Glück gehen wir nicht mehr barfuß. Denn auch die Liebe kann man üben, und zwar in etwa so wie Wenden in drei Zügen oder noch sehr viel schönere Einzelteile aus Bruchstücken zusammenzuschieben Denn irgendetwas zerbricht immer auf den Böden unserer Zimmer, genau deswegen gehen wir nicht mehr barfuß.
5.
Mal wieder 04:15
Mal wieder Hier warst Du doch schon mal, vor dieser Wand hast Du doch letztens erst noch gestanden, erkennst sie nicht wieder, erst nach ’nem Moment, wie einen dieser alten Bekannten, die Du nicht mehr mochtest, nicht mehr ertrugst, weil fiese Geschichten sich darum ranken Doch etwas daran erinnert noch immer an eins dieser ungestillten Verlangen Geh doch mal wieder, geh doch mal wieder, geh doch mal wieder nicht mehr zurück Geh doch viel lieber, geh doch viel lieber, geh doch viel lieber ein anderes Stück Es wär doch viel schöner, Du würdest mal wieder zu anderen Tatendrängen ziehen Es sei denn es geht bei Deiner Rückkehr um mich oder ganz einfach um Berlin Dein neuer ist dein alter, dein neuer ist dein alter, ganz einfach weil’s Dir gleich so vertraut ist Was ist egal, da kommt’s nicht drauf an, ob du nun angestellt oder ne Frau bist. Fühl dich ruhig wohl, es dauert nicht lange, bis das Bekannte dir wieder aufstößt Und du dir vornimmst, dass du dich nie auch nur auf was Ähnliches je wieder einlässt Geh doch mal wieder, geh doch mal wieder, geh doch mal wieder nicht mehr zurück Geh doch viel lieber, geh doch viel lieber, geh doch viel lieber ein anderes Stück Es wär doch viel schöner, Du würdest mal wieder zu anderen Tatendrängen ziehen Es sei denn es geht bei Deiner Rückkehr um mich oder ganz einfach um Berlin
6.
Auf Fünf 03:36
Auf Fünf All die Beziehungen waren nur Wiederholungen, Wiederholungen von Wiederholungen, Fotokopien von Gefühlen. All die Gefühle waren nicht mehr als Kaffeesatz, im Fernsehen gedeuteter Kaffeesatz lauter blinder Hufeisenschmiede. Und darum wurde mir nicht warm, nichtmal angezogen in meinem Bett bis über meinen Kopf zugedeckt. Und darum wurde mir nicht warm, in dieser nicht sehr kalten Welt auch nicht mit der Heizung auf fünf gestellt. All die Geschichten waren nur Vorgänge, geschmacklos schützende Vorhänge, und Packpapier für Träume. All unsere Träume waren nur Werbeplots, irreführende Verfolgerspots, nichtmal Badewannen- sondern Spülbeckenschäume. Und darum wurde mir nicht warm, nichtmal angezogen in meinem Bett bis über meinen Kopf zugedeckt. Und darum wurde mir nicht warm, in dieser nicht sehr kalten Welt auch nicht mit der Heizung auf fünf gestellt. Doch zum Glück ist das vorbei Der neue Frühling wird das alles ändern Von Taten und Sachen mitten im Kern bis zur Bewegung in den Rändern Und dann wird mir endlich warm, sogar völlig nackt auf meinem Bett nichtmal die Füße zugedeckt. Und dann wird ist mir endlich warm, sei es noch kalt auf dieser Welt und der Powerfroster auf fünf gestellt.
7.
Für das Leben Bei Dir legt sich mein Ich an der Garderobe ab Trägt drinnen nur noch das was ich darunter hab Und wenn ich meinen Puls dann in mir spür kann die Welt nichts mehr dafür Geht’s nicht mehr vor und nicht zurück ist man angekommen Ob man sich wohl fühlt oder nicht hängt da nicht dran Und wenn man seinen Puls dann in sich hört ist da nichts mehr, das noch stört Und wenn es in uns atmet Und wenn es in uns schweigt Und wenn es in uns flackert (und um die Wirbelsäule tanzt) Und wenn es in uns bleibt Und wir bedanken uns für das Leben in und um uns
8.
Traurig 03:04
Traurig Traurig ist, wer zu leicht vergisst, wie wunderschön im Grunde doch das Leben ist, dass jeder Tag sich offenbart als chancenvolle Wunderkiste, für jeden, der es wagt, hineinzusehen oder blind zu ziehen und im Tages- oder Sternenlicht vor Aufregung zu glühen. Oft bereut, wer sich an gar nichts freut, das sich aus Schüchternheit zunächst von seiner schnöden Seite zeigt, dann aber spät statt früh noch hinterrücks erblüht und jeden Seher mit der Welt versöhnt, sogar mit St. Lorenz-Süd. Verzweifeln wird, wer den Mut verliert für die Hoffnung, die schon der Horizont jeder Bettdecke gebiert, und mit der jeder Tag sich offenbart als chancenvolle Wunderkiste, für jeden, der es wagt, hineinzusehen oder blind zu ziehen und im Tages- oder Sternenlicht vor Aufregung zu glühen.
9.
An dem Tag, als das Kindermädchen fortlief An dem Tag, als das Kindermädchen fortlief wurde ihm klar, dass die Welt ein schönes Spiel trieb, weil jetzt niemand mehr seine Augen rieb, wenn er nicht wollte und er es noch nicht wollen konnte. In dem Jahr, als sie den Platz nach ihm benannt haben wurde ihm klar, dass alle Kinder was anderes in ihm sahen als das eine, das er geblieben war, ganz tief drinnen, aber unbemerkt vom müden inneren Sehsinn. In einer Nacht, in der er weit zu sich zurück ging wurde ihm dann klar, dass alles richtig war, was falsch schien. Was sich dadurch verschob, mit einem zaghaften Wummerklang, war der Schleier vorm Wollenkönnen, das plötzlich endlich wollen kann. An dem Tag, als das Kindermädchen fortlief wurde ihm klar, dass die Welt ein schönes Spiel trieb, weil jetzt niemand mehr seine Augen rieb, wenn er nicht wollte und er's nur so einst wollen konnte.
10.
Du kommst bei dir an Sie sagt: „Ich fühl mich gerade voller Wut und Hass.“ Er sagt: „Ich weiß da was, das du dagegen machen kannst. Sag mir nur, wie willst du dich stattdessen fühlen. Vielleicht hast du ein Bild dafür.“ „Natürlich wär ich lieber“, sagt sie, „ein Alleslieber – oder besser: eine Alleslieberin, bei der sich jeder wohl fühlt, so wie er ist geliebt wird, und die sich dafür selber richtig liebt. Ich hab ein Bild von mir als Kinderbuchgroßmutter, um die sich alle Kleinen glücklich lachend scharen Und er sagt: Halt das fest, ein bisschen oder auch was länger, denn dann hast du worauf es ankommt schon getan: du kommst bei dir an.“ Sie sagt: „Stattdessen fühl ich mich jetzt wie ein Trauerkloß. Meinst Du, ich werd‘ das auf dieselbe Art und Weise los. Und er sagt: „Klar, spielen wir das Spiel einfach nochmal. In deinem Wunschtheater, worum geht‘s da? „Dort gäb ich sicher lieber“, sagt sie, „den Immerglücklichleber oder besser die Immerglücklichleberin, die damit jeden ansteckt, ein Freudenfeuer legt, und die sich dabei beinahe täglich neu entdeckt. Ich hab ein Bild von mir: ich bin ein Kind im Zirkus, das über jeden blöden Unfug lachen kann.“ Und er sagt: „Halt das fest, ein bisschen oder gleich für immer, denn dann hast du worauf es ankommt schon getan: du kommst bei dir an.“ Du kannst das üben, morgens vor dem Zähneputzen oder wenn du vor einer roten Ampel wartest. Während der Werbeblocks im Fernsehen, jeden Abend kurz vorm Schlafen und einfach immer wenn du meinst es ist grade dran kommst du so bei dir an Sie sagt: „Ich fühl mich letztlich nur noch so grässlich hässlich. Ach was, ich fühl mich einfach so jetzt wunderschön prinzesslich. Ganz einfach weil ich’s kann, komm ich bei mir an. Ich komm bei mir an."
11.
Für heute 04:36
FÜR HEUTE Für heute hast du frei, es gibt für den Moment nichts mehr zu tun Nicht in dieser Welt, und nicht in diesem Zustand Für heute ist’s genug, was immer auch passiert ist oder noch rumliegt Es ist zu was gut, du wirst es noch verstehen Und wenn nicht, ist es auch egal, denn wir haben keine andere Wahl als unser Glück daraus zu ziehen, es an- und mit uns in die Nacht zu nehmen Für heute kannst du gehen, von hier weg den Weg in Richtung in dir drin Ein gutes weites Stück oder auch nur ein paar Schrittchen Für heute kannst du ruhen, durchs offene Traumfenster mal lüften was du bist Was auch geschieht ist für dich gut, du wirst es noch verstehen Und wenn nicht, ist es auch egal, denn wir haben keine andere Wahl als unser Glück daraus zu ziehen, es an- und in uns hinein zu nehmen Und so verlass den Tag mit einem Wimpernflügelschlag und dem Gefühl, beschützt zu sein und völlig klar darüber, dass du bist und dass das auch schon alles ist worauf es ankommt und weshalb du dafür lebst, warum du jetzt hier liegst, behütet und geliebt, und von der Schwingung, die in allem ist, gewiegt Bootsplanke oder Steg, ob gerade oder schräg halb noch da und doch schon etwas auf dem Weg Für heute hast du frei, es gibt für den Moment nichts mehr zu tun Nicht in dieser Welt, und nicht in diesem Zustand Für heute ist’s genug, was immer auch passiert ist oder noch rumliegt Es ist zu was gut, du wirst es noch verstehen

credits

released December 24, 2009

Text + Musik: Christian Freimuth

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Deutschsprachiger Singer-Songwriter-Indiepop mit Einflüssen aus Folk, Americana und der Gitarrenmusik der Neunziger.

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